Weideprojekt „Brunnenwasser“

Im Jahre 2000 wurden von der Teilnehmergemeinschaft Thierhaupten II im Rahmen eines Dorferneuerungsverfahrens rd. 5,5 Hektar Ackerland für ökologische Zwecke angekauft, die anschließend in das Eigentum des Marktes Thierhaupten übergingen. Schon nach drei Jahren wurden dort verschüttete Quellen freigelegt und ein Kilometer langer Quellbach, das „neue Brunnenwasser“, geschaffen. Das Umfeld wurde als Extensivgrünland gestaltet. Historische Karten aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts dienten als landschaftliches Leitbild. Planung und Umsetzung übernahm der Landschaftspflegeverband.

Im Mai 2005 startete dann die Beweidung der Brunnenwasserbiotope mit Heckrindern, auch „Aueroxen“ genannt, als Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Markt Thierhaupten, dem Landwirt Josef Sturm und dem Landschaftspflegeverband. Die Rinder sorgen seither durch Fraß dafür, dass zum einen die Weideflächen offengehalten werden. Zum anderen fressen die Tiere auch die Ränder der angelegten Mulden und Bachbiotope ab und ersparen somit eine aufwändige Mahdpflege. Dort, wo einst intensiver Ackerbau betrieben wurde, finden sich jetzt artenreiche Grünlandgesellschaften in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Das Spektrum reicht von der typischen Weidelgrasweide über Saum- und Hochstaudenfluren bis hin zu Seggen-, Binsen und Röhrichtgesellschaften. Die Brunnenwasserbiotope bieten nach der Renaturierung vielen Arten eine neue Heimat: Kiebitze und Frösche sind hier genauso zuhause, wie die heimlich lebende Bekassine, eine Schnepfenart. Auch der Eisvogel ist regelmäßiger Gast und lässt sich mit etwas Geduld und Glück am Wiesenbach beobachten.

Das Gebiet entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt für Erholungssuchende und Naturinteressierte aus der ganzen Region. Unterstützt wird dies durch Dorferneuerungsmaßnahmen, die für eine aufwändig gestaltete Erschließung des Umfelds sorgten (Wegeführung, Holzbrücken, Aussichtsplattform, Infotafeln). Für die Zukunft wird eine Erweiterung der Weideflächen nach Westen angestrebt.

 

Aueroxen – Heckrinder als Landschaftspfleger

Der heimische Auerochse, auch als bekannt Ur, war in Mitteleuropa bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet worden. In den 1920er Jahren setzten sich die Gebrüder Lutz und Heinz Heck das Ziel, dieses Rind durch Kreuzung verschiedener ursprünglicher Rassen rück zu züchten, darunter das Ungarische Steppenrind, das Schottische Hochlandrind und das Murnau-Werdenfelser Rind. Das Zuchtergebnis war das nach den Brüdern benannte „Heckrind“. Die Wirren des zweiten Weltkriegs überstand allerdings nur eine rund 40 köpfige Herde der Münchner Linie, die Berliner Linie wurde wohl vollständig vernichtet.

Heckrinder eigenen sich ausgezeichnet als Landschaftspfleger. Vom Ur unterscheiden sich die auch als „Aueroxen“ bezeichneten Tiere vor allem durch ihre deutlich geringere Größe und den geringer ausgeprägten Sexualdimorphismus.

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