Kiebitz-Hilfsprojekt startet in neue Runde

Schon vor einigen Wochen waren die ersten durchziehenden Trupps von Kiebitzen zu sehen. Heute ein seltener Anblick, denn seit etlichen Jahrzehnten geht es dem früher in Deutschland so häufigen Wiesenvogel gar nicht gut. Im April beginnt die Hauptbrutzeit dieses „Gauklers der Lüfte“. Bekannt ist er wegen seiner Federhaube und seinen akrobatischen Schauflügen. Seine „kie-witt“- Rufe sind weithin hörbar und namensgebend. Die Gelege selbst sind nahezu unsichtbar: in einer fast kahlen Nestmulde auf dem Erdboden liegen die gefleckten und dadurch gut getarnten Eier.

Die Kiebitz-Brutgebiete im südlichen Landkreis Augsburg zählen zu den bayernweit herausragenden. Im Wertachtal und auf dem Hochfeld rund um Schwabmünchen gab es letztes Jahr insgesamt 159 Brutpaare. Der Bruterfolg war mit 118 flügge gewordenen Jungkiebitzen in 2025 geringer als im vorangegangenen Jahr 2024 mit 178 Flüggen – das sehr kühle Frühjahr und danach die fehlenden Niederschläge spielten dabei eine große Rolle. Denn zur Zeit der Jungenaufzucht sind nasse Mulden und Pfützen mit ihren Kleinlebewesen eine wichtige Nahrungsquelle für die Küken.

Schon zweimal wurde der Kiebitz zum „Vogel des Jahres“ gekürt, 1996 und nochmals 2024. Bei dem früheren Allerweltsvogel sind schon seit längerem bedenkliche Bestandsabnahmen zu beobachten, ähnlich wie bei anderen feld- und wiesenbrütenden Vogelarten, wie dem Großen Brachvogel, der Wachtel und dem Braunkehlchen. So sind die Kiebitzbestände in Deutschland alleine im Zeitraum zwischen 1980 und 2016 um 93 % eingebrochen. In den Folgejahren war bisher keine deutliche Erholung erkennbar. Weniger als 4000 Brutpaare wurden bei der letzten Wiesenbrüterkartierung im Jahr 2021 in Bayern registriert. Die hauptsächlichen Gründe für den Verlust des Lebensraums der Wiesenbrüter sind Änderungen in der Landwirtschaft, so die Trockenlegung von Feuchtwiesen, die Umwandlung von Grünland in Äcker und die allgemeine Intensivierung.

Der besorgniserregende Bestandsrückgang des Kiebitzes und anderer Feldvögel war auch in den Wiesenbrütergebieten Schwabens zu beobachten, weshalb 2015 das Projekt „Brutplatzmanagement für Wiesenbrüter Schwaben“ von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Schwaben ins Leben gerufen wurde. Projektträger sind meistens die jeweiligen örtlichen Landschaftspflegeverbände, so auch der Landschaftspflegeverband Landkreis Augsburg e.V., der dabei vor allem Verwaltungs- und Koordinationsaufgaben übernimmt. Direkt vor Ort sind ehrenamtliche Wiesenbrüterberater die wichtigsten Ansprechpartner. Sie unternehmen gerade viele Kontrollfahrten, spüren Gelege auf, leisten Aufklärungsarbeit und vereinbaren zusammen mit den Landwirten passende Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Schutz dieser Feldvögel. Die Vogelkundler Johnny Fritzsche und Alex Klose kümmern sich um die Brutgebiete südlich von Schwabmünchen, Dietrich Peter um die Gebiete von Mittelstetten bis Wehringen. Auch im nördlichen Landkreis bei Thierhaupten gibt es noch vereinzelte Kiebitzvorkommen, hier ist Willi Behringer zuständig.

Aufgrund des starken Rückgangs der ehemals typischen Bruthabitate – feuchte und eher schüttere Wiesen – weicht der Kiebitz in seinen traditionellen Brutgebieten zunehmend auf Äcker aus, so auch in Schwaben. Problematisch für den Vogel ist, dass gerade zur Brutzeit die meisten Äcker gepflügt und die Felder bestellt werden. Genau darauf sind die verschiedenen Fördermöglichkeiten des schwabenweiten Schutzprojektes abgestimmt. Am häufigsten wird bei den Absprachen vor Ort die freiwillige Maßnahme „Einzelbrutplatzschutz“ vereinbart, was bedeutet, dass nach der Entdeckung eines Geleges bei allen folgenden Bewirtschaftungsgängen die Nestzone spindelförmig umfahren wird, damit weder Eier noch frischgeschlüpfte Küken gefährdet sind. Ab Ende Mai sind die jungen Kiebitze dann ausreichend mobil und können bei der Bearbeitung auf angrenzende Flächen flüchten. Falls mehrere Nester auf einem Acker gefunden werden, kann auch großflächig eine verspätete Bewirtschaftung ab 20. Mai vereinbart werden, wodurch ganze Brutkolonien gesichert werden. Das finanzielle Entgelt für die Vereinbarung der Maßnahmen soll den damit verbundenen Ertragsausfall und Aufwand des Landwirtes entschädigen. Die erforderlichen Mittel steuert die untere Naturschutzbehörde dem Projekt bei.

Die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten im Augsburger Land und den Wiesenbrüterbetreuern funktioniert hervorragend. Oft kommen die ersten Meldungen zu Brutverdacht oder Nestfund von den sehr aufgeschlossenen Landwirten selbst und viele der Landwirte engagieren sich noch über die finanzielle Unterstützung hinaus für den Schutz des Kiebitzes. Das „Brutplatzmanagement für Wiesenbrüter Schwaben“ ist also ein richtiges Vorzeigeprojekt für ein gutes Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft. Seit fünf Jahren engagiert sich der Landschaftspflegeverband im Artenhilfsprojekt und mit den entsprechenden Maßnahmen auf Ackerflächen konnten die Kiebitzbestände erfreulicherweise stabilisiert werden. Dies ist vor allem der großen Unterstützung und Mitmachbereitschaft der Landwirte vor Ort zu verdanken.

Alle, die um diese Jahreszeit in den Wiesenbrütergebieten unterwegs sind, können auch selbst etwas zum Kiebitzschutz beitragen. So ist es jetzt besonders wichtig, die Feldwege nicht zu verlassen und eventuelle zeitlich beschränkte Wegsperrungen zu akzeptieren, damit die gut getarnt brütenden Vögel nicht unbeabsichtigt aufgeschreckt werden und das Nest verlassen. Insbesondere an die Hundebesitzer appellieren die Wiesenbrüter-Betreuer und der Landschaftspflegeverband, jetzt besondere Rücksicht zu nehmen und ihre Fellnasen in den entsprechenden Gebieten auch außerhalb des Waldes anzuleinen. Selbst ein Hund ohne Jagdtrieb kann alleine durchs Umhertollen oder Stöbern auf einem Feld eine massive Störung darstellen. Die Brutunterbrechung kann dann zur Folge haben, dass Eier oder Jungküken von Feinden in der Luft oder am Boden entdeckt werden.

Foto Alex Klose: Brütender Kiebitz

Foto Werner Burkhart: Kiebitz Pullus (Küken im Dunenfederkleid)

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