Weiden (Salix)

Die Gehölzsippe der Weiden (Salix)
Die Gehölzsippe der Weiden ist oft an extreme und hochdynamische Lebensräume gebunden. Ihr Leben in Mooren, Hochgebirgen und Auen erfordert spezielle Anpassungen, die aus einer enormen genetischen Potenz geschöpft werden. Vor allem näher verwandte Weidenarten bastardisieren häufig und tragen so zum Austausch von Erbinformationen bei. „Weide“ kommt vom Althochdeutschen „wida“ und bedeutet „die Biegsame“. Gemeint sind die flexiblen Äste und Zweige einiger Flussweiden, denen Hochwässer wenig anhaben können. Vor allem die schmalblättrigen Arten besitzen die Fähigkeit, an abgerissenen Ästen neue Wurzeln zu schlagen, sodass umgelagerte Flusssedimente rasch wiederbesiedelt werden können. Im Naturhaushalt spielen sie eine wichtige Rolle! So dienen sie den Raupen von über 90 verschiedenen mitteleuropäischen Großschmetterlingsarten als Nahrung! Salix ist eine formenreiche und interessante Gehölzgattung, die sich mangels Landschaftsdynamik und waldbaulicher Beachtung aus unseren Tälern immer mehr zurückziehen wird.

In unserer Region kommen mehr als zehn verschiedene Weidenarten bodenständig vor. Mit ihrem ausladenden, gräulich schimmernden Blätterdach ist die Silber-Weide (Salix alba) eine imposante Erscheinung unserer Flusstäler. Besonders alte Baumriesen sind von hohem ökologischem Wert. Sie sind voll Totholz und Ausfaulungen, Spechte und Weiden-Meisen zimmern Bruthöhlen in Stämme und Äste und schon früh im Jahr bieten ihre zahllosen Kätzchenblüten Nektar oder Pollen. Oft stößt man auch auf die Purpur-Weide (S. purpurea), eine strauchige Art mit roten Zweigenden. Sie vermag Kiesbänke rasch zu festigen und damit initiale Weichholzauen zu gründen. Auch die selteneren Lavendel-Weiden (S. elaeagnos), Reif-Weiden (S. daphnoides) und Schwarz-Weiden (S. nigricans) lieben die kiesig-sandigen Ablagerungen der ins Alpenvorland ziehenden Gebirgsflüsse. An Moorlandschaften erinnernde Akzente dagegen setzen die kugelig-kompakten Gebüsche der Grau-Weide (S. cinerea) entlang von Wiesengräben.

Bei der Neuanlage von Hecken und Gehölzen werden Weiden heute leider kaum berücksichtigt. Zu Unrecht, denn sie stellen einen wesentlichen Florenbestandteil unseres Lands an Lech und Wertach dar (LEITENSTORFER: Die Hecken der Lech-Wertach-Ebenen in der Umgebung von Augsburg; Diplomarbeit 1998).

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